Bewertungsportale versus Branchenbuch

Mit diesem Artikel möchte ich meine Leser auf eine wichtige wenn nicht sogar essentielle Wandlung im Benutzerverhalten im Internet und dessen Folgen für Unternehmen die sich im Internet präsentieren aufmerksam machen. Eine Wandlung die über sein oder nicht sein im WWW entscheidend sein kann aber vor allem eine Chance für Sie bedeutet.

Doch vorab erst mal ein kleiner Exkurs in die Geschichte des world wide web:

Vor vielen Jahren, so ungefähr Mitte der Neunziger, also der Steinzeit des Internets, versuchten einige Unternehmen das Chaos im Web zu ordnen. „Verzeichnis“ war das Zauberwort. Vorreiter im Bemühen das Web in Kategorien, Unterkategorien, Branchen und Regionen zu sortieren war die Firma Yahoo. Das 1994 gegründete „Yahoo Directory“ war lange Zeit, das am meisten genutzte Verzeichnis der Welt. Später kam dann noch das „Open Directory Project“ dazu.

Viele andere Verzeichnisse und Branchenbücher folgten, um mit den Eintragungen Geld zu verdienen. Meist handelte es sich um einen einfachen Link mit einer Kurzbeschreibung der Website. 1998 wurde Google gegründet, mit der Erfindung einer Suchmaschine, deren Suchresultate darauf basieren wie oft bestimmte Inhalte ver-linkt werden. Natürlich wurden auch Links aus diesen und anderen Webverzeichnissen gezählt und somit war klar: Wer in Google ranken will muss in diesen und anderen Webverzeichnissen eingetragen sein. Ein Link ist ein Link war das Motto.

Das führte dazu, dass die gerade erst entstehende SEO Branche eine Vielzahl von eigenen Branchenbüchern und Webverzeichnisse ins Netz stellte um möglichst viele Links zu Ihren Seiten aufbauen zu können. Doch nicht nur Website-Verzeichnisse kamen in Mode, sondern auch „Gelbe-Seiten-ähnliche“ Online-Branchenverzeichnisse. Seither bieten Vertriebs-Organisationen, SEOs und Call-Center Einträge in mehr oder wenige dubiose Branchenbücher an. Die meisten davon haben keinen Mehrwert für den Besucher und sind als Werbeträger völlig sinnlos.

Warum ist das so?

  • Google bewertet Links heutzutage anders als früher. Ein Link von einem Branchenbuch ist allenfalls noch wichtig für Google Maps/Local, bringt aber für das organische Ranking nicht viel.
  • Die Branchenbücher ranken aufgrund ihres Mangels an wirklich werthaltigen Inhalten eher schlecht als recht und haben nur wenige natürliche Besucher.
  • Der User sucht nicht mehr nach Kategorien, er sucht nach Antworten auf Fragen, sucht Lösungen für Probleme
  • Mit Google Maps und Google Local hat das Unternehmen ein eigenes gigantisches Branchenbuch aufgebaut, das die anderen praktisch obsolete macht. Facebook zog nach mit Facebook Places!

Das Benutzerverhalten im Internet hat sich ebenfalls in einem, sehr wichtigen Punkt grundlegend geändert:

Statt einer schreibt für viele, schreiben heute viele für einen!

Was ich damit meine ist, das Web ist durch den Siegeszug der Sozialen Medien wie Facebook, Twitter und co. zu einem Kommunikationsmedium geworden. Der „User“ will nicht nur etwas lesen, er will selbst aktiv werden, schreiben, posten, liken, teilen. Einerseits will er seine Meinung zu allen möglichen Themen sagen aber auch die Meinungen anderer Benutzer lesen.

Das ist auch keine Modeerscheinung sondern eine digitale Revolution, ist nicht mehr zu ändern, nicht mehr aufzuhalten. Die Macht der Massen. Das ist das neue Web 2.0. Damit müssen wir leben und unsere Marketingstrategien daran anpassen, wenn nicht sogar darauf aufbauen.

Der Benutzer verlässt sich heute nicht mehr auf Inhalte die von Webseitenbetreibern meist aus Gründen der Selbstvermarktung erstellt wurden. Die meisten Benutzer können rein kommerzielle Texte und Websites durchaus von Inhalten trennen, die einen echten Informationsgehalt haben.

Noch wichtiger ist, der heutige Benutzer will:

  • Erfahrungen anderer Benutzer über das Unternehmen oder die angebotenen Produkte lesen
  • Sich mit anderen über diese Produkte, und auch über Inhalte austauschen können
  • Vielleicht denken Sie, das sind doch nur Ausnahmen, wer macht sich denn schon die Mühe! Mitnichten Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. sagt in einer Studie des BITKOM Verbandes, dass bisher
  • 28.000.000 Deutsche haben schon mal ein Produkt im Internet durch teilen oder Bewerten empfohlen
  • Jeder Vierte Deutsche Internet Benutzer hat schon mal ein Hotel oder eine Reise bewertet
  • Jeder Sechste Deutsche Internet Benutzer hat schon mal ein Restaurant bewertet
  • 13 % der Deutschen Internet Benutzer haben über Ihre Erfahrungen nach einem Online Kauf berichtet
  • 6 % haben schon mal einen Online Shop bewertet

Vor allem regionale und lokale Anbieter (Konzertveranstalter, Restaurants, Einzelhändler etc.) werden immer häufiger bewertet. Der Grund ist die zunehmende Smartphone-Verbreitung. Mit den internettauglichen Handys können Kunden noch vor Ort ihre Erfahrungsberichte mit wenigen Tastenklicks auf Bewertungsportalen veröffentlichen.

Nutzer suchen per vor allem per Smartphone in ihrer Umgebung nach Geschäften. Insbesondere Touristen und Geschäftsreisende suchen an Ihrem Reiseort fast ausschließlich per Smartphone nach Geschäften, Restaurants oder Ärzten in der Nähe Ihres Hotels. Das ist eine sehr gute und zahlungskräftige Zielgruppe, die man mit mobilfähigen Bewertungsportalen oder Aps sehr viel leichter erreichen kann als mit jedem anderen Medium.

Besonders im Trend liegen spezialisierte Portale. Das gilt sowohl für Portale die sich auf spezielle Branchen konzentrieren (z.B.: Ärzte) als auch regional ausgerichtete Portale. Ganz vorne liegt natürlich mal wieder Google Inc. mit Google Places. Allerdings ist es hier aufgrund der enormen Konkurrenz schwieriger gut gelistet zu sein und eine entsprechende Reichweite zu bekommen. Hier sollte man sich professionellen Rat einholen um den Google Places Eintrag bestmöglich zu optimieren.

Wie Sie gute Bewertungen bekommen:

• Legen Sie auf den für Sie relevanten Bewertungsportalen ein Profil Ihres Unternehmens an. Falls Sie von Nutzern bereits gelistet wurden, können Sie Ihr Profil mit wenigen Klicks übernehmen.

• Machen Sie Ihre Kunden auf die Bewertungsportale und -möglichkeiten aufmerksam. Platzieren Sie zum Beispiel entsprechende Aufkleber in Ihrem Laden und machen Sie auf Ihrer eigenen Website darauf aufmerksam. Oft ist es auch möglich die Bewertungen auf Ihrer eigenen Seite anzuzeigen.

• Optimieren Sie Ihre Einträge. Mit kostenpflichtigen Premium-Accounts können Sie sich in der Regel besser präsentieren, beispielsweise Videos einstellen, Coupons sowie Veranstaltungen und Sonderangebote bewerben.

• Halten Sie Ihre Einträge immer auf dem neuesten Stand. Öffnungszeiten, neue Angebote oder Fotos sollten Sie unbedingt zeitnah einpflegen, wenn sich etwas geändert hat.

• Achten Sie auch auf die Ihre Umgebung. Nicht nur die Leistung wird bewertet, sondern auch Sauberkeit, Nachbarschaft und Atmosphäre.

• Beziehen Sie Ihre Mitarbeiter in Ihre Bewertungsstrategie ein. Freundlichkeit und Auftreten der Mitarbeiter sind für viele Kunden ebenso wichtig wie Dienstleistungen oder Produkte. Auch Stammkunden sind wertvolle Empfehlungsgeber auf Bewerbungsportalen. Sprechen Sie diese direkt an.

• Reagieren Sie auf negative Kritik. Versuchen Sie, die Kritik zu verstehen. Kunden haben häufig einen anderen Blickwinkel. Nehmen Sie öffentlich Stellung zur Kritik und erhöhen Sie dadurch Ihre Glaubwürdigkeit bei anderen Besuchern.

Quellen und weiterführende Informationen:

https://www.euroweb.de/blog/bewertungsportale-im-ueberblick
https://www.euroweb.de/blog/bewertungen-im-internet
http://www.bitkom.org/de/presse/78284_76564.aspx
http://bundesjustizportal.de/berlin/item/556-transparenz-bei-vergleichsportalen-vergleichsseiten-und-bewertungsportale-im-internet-sind-bei-verbraucherinnen-und-verbrauchern-zunehmend-beliebt.html
http://www.creditreform.de/aktuelles/news-list/details/news-detail/umsatz-im-umkreis.html
http://www.cityratings.berlin
http://www.yelp.com

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